Der Wanderer an den Mond

Posted on 30. März 2012

Ein Gedicht von Johann Gabriel Seidl

Ich auf der Erd´, am Himmel du,
Wir wandern beide rüstig zu:
Ich ernst und trüb, du mild und rein,
Was mag der Unterschied wohl sein?

Ich wandre fremd von Land zu Land,
So heimatlos, so unbekannt;
Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,
Doch bin ich nirgend, ach! zu Haus.

Du aber wanderst auf und ab
Aus Westens Wieg´in Ostens Grab,
Wallst Länder ein und Länder aus,
Und bist doch, wo du bist, zu Haus.

Der Himmel, endlos ausgespannt,
Ist dein geliebtes Heimatland;
O glücklich, wer, wohin er geht,
Doch auf der Heimat Boden steht.

 

Dieses Gedicht ist eines meiner Lieblingsgedichte. Es wurde von Franz Schubert 1826 in wunderbarer Weise vertont. Auch wenn es über 100 Jahr alt ist, beschreibt ein sehr aktuelles Problem der heutigen Gesellschaft.

Streß, Hektik und ständige Verfügbarkeit belasten viele Menschen. Mehr und mehr sehnen sich die Leute nach einem ruhigerem Leben mit echten Werten. Was nützen einem hunderte Facebookfreunde, wenn man keinen persönlich kennt? Warum zwitschert man, dass man gegen 7 Uhr einen Kaffee getrunken hat? All das sind auswüchse unserer wertelosen Gesellschaft. Hinzu kommt, dass echtes Können immer weniger Wert ist. Wohin wird das noch führen? Wir werden es sehen…

What Others Are Saying

  1. Choga Ramirez 3. April 2012 at 09:22

    Das Gedicht gefällt mir auch richtig gut. Warum hast du mir das nicht schon mal eher gezeigt? Du weißt doch, dass ich einen Faible für Lyrik habe.

    • admin 3. April 2012 at 16:35

      Na, dann muss ich ab sofort öfter ein Gedicht posten.

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